Melle -
16.03.2023
Mein Tagebuch vom Truppmann-Lehrgang – Ich werde Feuerwehrfrau: Eine Theoriestunde, die unter die Haut geht
Eine Kolumne von Ronja Ackermann:I

ch belege den Lehrgang „Truppmann 1“ bei der Freiwilligen Feuerwehr in Melle und habe gemerkt: Die Feuerwehr ist nicht nur Spaß. Die Realität kann knallhart sein. Welche Gefahren und traumatische Ereignisse im Einsatz auf die Feuerwehrleute warten können, haben wir nun im Theorieunterricht erfahren.In diesem Artikel erfährst Du:

  • Wie unserer Reporterin der Grundlehrgang bei der Feuerwehr erlebt.
  • Warum ihr der Gedanke an die Gefahren an der Einsatzstelle Angst macht.
  • Wieso man von einer Minute auf die andere mit dem Tod konfrontiert werden kann.

Es ist Nacht. Der Pieper geht und reißt dich aus deinen Träumen. Jetzt musst du schnell handeln – Entscheidungen müssen innerhalb von Sekunden gefällt werden. Hektisch stehst du auf, fährst zur Feuerwehrwache und springst in deine Einsatzkleidung. Im Fahrzeug auf dem Weg zur Einsatzstelle hast du das erste Mal die Möglichkeit, dich mit dem Gedanken zu befassen: Was wird mich gleich erwarten?

Physische und psychische Gefahren

„Einsatzkräfte machen immer wieder positive Erfahrungen, wirksam geholfen oder Leben und Sachwerte gerettet zu haben“, erzählt Sebastian Metz-Schneidenbach während unserer Theoriestunde am Montagabend. „Sie werden aber auch mit der eigenen Endlichkeit konfrontiert und erleben traumatische Ereignisse.“

Der Raum ist still, als Sebastian Metz-Schneidenbach, Feuerwehrseelsorger der Freiwilligen Feuerwehr Melle, uns in den kommenden drei Stunden über potenzielle Gefahren an der Einsatzstelle aufklärt. Gefahren, die nicht nur physische, sondern auch psychische Auswirkungen haben können. Gefahren, die jedem Feuerwehrmann und jeder -frau präsent sein müssen – die man im Ehrenamt bei der Feuerwehr mit einkauft.

Die eigene Endlichkeit

Die eigene Endlichkeit, also mein Tod – damit musste ich mich mit meinen 20 Jahren glücklicherweise noch nicht befassen. Dabei kann es so schnell gehen. Das ist langjährigen Einsatzkräften mit Sicherheit bewusst. Mich bedrückt der Gedanke. Bisher habe ich

die Feuerwehr als ein Ehrenamt erfahren, bei dem man Spaß hat und Menschen hilft. Dass der Spaß bei Einsätzen schnell in die harte Realität umschlagen kann und manchen Opfern beim Einsatz nicht mehr zu helfen ist, habe ich bis dato verdrängt. Nicht, weil ich mir dessen nicht bewusst sein wollte – es war eher ein Selbstschutz, denn ich weiß nicht, wie belastbar ich bin.

Gefahren an der Einsatzstelle

Um sich auf mögliche Gefahren vorzubereiten, gibt es eine Gefahrenmatrix. Grundsätzlich werden zuerst Menschen, dann Tiere, die Umwelt und schließlich Sachwerte gerettet. „Dabei gilt jedoch immer Selbstschutz vor Fremdschutz“, erklärt Sebastian Metz-Schneidenbach. Mögliche Gefahren werden in neun Buchstaben unterteilt. „AAAACEEEE“ steht für Atemgifte, Angstreaktion, Ausbreitung, atomare Strahlung, chemische Stoffe, Erkrankung, Explosion, Einsturz und Elektrizität. Ganz schön viele potenzielle Gefahren für ein Ehrenamt, denke ich. Zum Glück erfahren wir im weiteren Verlauf, welche Schutzmaßnahmen uns im Ernstfall helfen.

Gefahr, auf die man sich nicht vorbereiten kann

Es gibt aber auch eine Gefahr, auf die man sich nicht vorbereiten kann – die psychische Belastung. „Im Einsatz kann man von einer Minute auf die andere mit dem Tod konfrontiert werden“, erklärt der Feuerwehrseelsorger. Ich denke an Verkehrsunfälle. Nicht selten kommt es vor, dass dort Menschen gerettet oder geborgen werden müssen. Im schlimmsten Fall handelt es sich dabei um Kinder oder Menschen, die man kennt. Der Gedanke macht mir Angst und stellt mich erneut vor die Frage: Wie belastbar bin ich? Traue ich mir das zu und würde ich solche Ereignisse verkraften? Grundsätzlich kann ich Dinge gut wegstecken. Wie ich mit so einer Ausnahmesituation umgehen würde, kann ich jedoch nicht einschätzen.

Traumatisches Erlebnis bei einem Einsatz

Der Feuerwehrseelsorger erzählt von einem Ereignis, das eine Einsatzkraft erlebt habe. „Es war ein normaler, vertrauter Einsatz“, habe diese geschildert. Bei einem Wohnungsbrand habe die Einsatzkraft ein Kinderzimmer betreten und gemeint, eine verbrannte Puppe wahrzunehmen. Es habe sich jedoch herausgestellt, dass es keine Puppe, sondern ein Kind war. Ich habe die Szene bildlich vor Augen und bekomme Gänsehaut. Ein Horrorszenario. „Ich weiß nicht, ob ich jemals wieder zu einem Einsatz fahren kann“, heißt es im letzten Satz der Schilderung. Ich finde das absolut verständlich. Ich wüsste auch nicht, ob ich mich von solch einem Schock erholen könnte.

Ein ganz neuer Einblick in das Ehrenamt

Der Eindrücke des Unterrichts beschäftigen mich auch nach der Theoriestunde noch. Ich habe einen ganz neuen Einblick in den Feuerwehralltag erhalten. Einen Einblick, der zwar unschön, aber notwendig ist. Mir ist bewusst geworden, dass die Feuerwehrleute eine immense Bürde tragen. Gedanklich ziehe ich meinen Hut vor den Einsatzkräften, die auf alles gefasst sein müssen. Ich bin froh, dass ich mich erstmal wieder mit den weniger dramatischen Dingen beschäftigen kann: In der kommenden Woche am Samstag steht schon die Abschlussprüfung an.

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