MELLE -
19.07.2021
Gefahrgut in Neuenkirchener Unternehmen freigesetzt
In einem Neuenkirchener Unternehmen ist am Montagmorgen ein unbekannter Gefahrstoff ausgetreten. Der Zwischenfall hatte den größeren Einsatz von Feuerwehr und erweitertem Rettungsdienst zur Folge. Vier Mitarbeiter sowie vier Einsatzkräfte wurden […]

In einem Neuenkirchener Unternehmen ist am Montagmorgen ein unbekannter Gefahrstoff ausgetreten. Der Zwischenfall hatte den größeren Einsatz von Feuerwehr und erweitertem Rettungsdienst zur Folge. Vier Mitarbeiter sowie vier Einsatzkräfte wurden sicherheitshalber ambulant im Krankenhaus vorgestellt. Der Zwischenfall hatte sich an einer Abbeizanlage ereignet. In einer ersten Meldung an die Regionalleitstelle Osnabrück beschrieb der Anrufer ein ausströmendes Gas. Der Disponent alarmierte daraufhin die Ortsfeuerwehr Neuenkirchen, die Rüstwageneinheit aus Melle-Mitte sowie das Messleitfahrzeug der Ortsfeuerwehr Altenmelle. Für dieses Einsatzszenario ist ferner sicherheitshalber ein Rettungswagen vorgesehen, der von der DRK-Rettungswache Melle nach Neuenkirchen anrückte. Beim Eintreffen an der Einsatzstelle hatten die Verantwortlichen des Unternehmens bereits begonnen, die betroffene Industriehalle zu räumen. Ein Trupp unter Atemschutzgeräten erkundete die Situation an der vermeintlichen Gasaustrittsstelle. Dabei stellten die Einsatzkräfte fest, dass eine unbekannte Flüssigkeit ausgelaufen war und eine Lache unter der Maschine bildete. Die Flüssigkeit reagierte mit dem Boden und bildete sichtbar Dämpfe.

Gefahrgutkonzept wird angewendet Nahe der Anlage befanden sich unbeschädigte Behälter mit verschiedenen Prozessstoffen, darunter auch Flusssäure. Dabei handelt es sich um einen brisanten hochgiftigen Stoff, der Verätzungen und schon bei Hautkontakt Vergiftungen verursachen kann. Weitere Arbeiten an der Schadensstelle waren deshalb nur unter Chemieschutzanzügen möglich. Die Feuerwehr leitete sofort erste Maßnahmen ein, zu denen auch eine Sperrzone gehörte, die schließlich auch eine Sperrung der Langen Straße erforderlich machte. In Anbetracht der neuen Lage wendete die Feuerwehr ein Standardkonzept für Gefahrgutlagen der Stufe „ABC 2“ an. Dabei ist vorgesehen, dass überörtliche Kräfte aus verschiedenen Zügen der Feuerwehrbereitschaft Umweltschutz einen sicheren Einsatz ermöglichen. Neben den Arbeiten direkt an der Schadensstelle gehört dazu auch eine differenzierte Stofferkundung sowie die professionelle Dekontamination nach Kontakt zum Gefahrstoff. Die Kräfte des Fachzugs „Messen und Spüren“, zu dem auch Mitglieder der Meller Ortsfeuerwehren Altenmelle und Wellingholzhausen gehören, stellten bereits bei einer ersten orientierenden Überprüfung nicht nur fest, dass es sich bei der ausgelaufenen Flüssigkeit um eine Säure handeln musste – die Teststreifen zeigten überdies bereits in der Umgebung gasförmige Säuredämpfe an. Allein dadurch war auch im weiteren Verlauf des Einsatzes eine Schutzkleidung der höchsten Schutzstufe geboten.

Flüssigkeit nicht eindeutig zu identifizieren. Bis zum Einsatzende konnte die Flüssigkeit jedoch nicht eindeutig identifiziert werden, weil in dem Prozess des Abbeizens unterschiedliche Stoffe zum Einsatz kommen und kein offensichtlicher Grund des Austritts – wie zum Beispiel ein beschädigter Kanister – festgestellt wurde.

Im Zuge des weiteren Einsatzes kontrollierte ein Trupp unter Chemieschutzanzügen, dass keine weitere Flüssigkeit austritt. Die Feuerwehr setzte Streumittel ein, um die Flüssigkeit zu binden. Außerdem wurde eine ausreichende Belüftung der Halle sichergestellt. Parallel führten die Einsatzkräfte weitere Messungen durch.

Nach dem Einsatz an der Schadenstelle reinigte der Fachzug „Dekontamination“ die Trupps – noch während sie weiterhin ihre Chemieschutzanzüge trugen – in einer Dekontaminationsdusche. Erst danach durften die Feuerwehrmitglieder sicher aus ihren Anzügen steigen, die anschließend zur fachgerechten Aufbereitung verpackt wurden.

Größerer Rettungsdiensteinsatz erforderlich In Anbetracht der Gefahr, die von Flusssäure ausgeht, evakuierte die Feuerwehr auch die weiteren Produktionsbereiche. 13 Mitarbeiter hatten sich in unmittelbarer Nähe zu der Abbeizanlage aufgehalten. Diese Personen wurden vor Ort zunächst durch den Rettungsdienst und im weiteren Verlauf durch die „MANV T4“-Einheit des DRK-Kreisverbandes Melle betreut. Vier Mitarbeiter wurden schließlich sicherheitshalber in Krankenhäuser transportiert. Die weiteren Personen konnten nach Beobachtung vor Ort und Aufklärung über mögliche Symptome nach Hause entlassen werden. Auch vier Mitglieder der Feuerwehr wurden als reine Sicherheitsmaßnahme im Krankenhaus vorgestellt, ohne dass sie jedoch Symptome aufwiesen. Sie hatten ebenfalls möglicherweise Kontakt zu den Dämpfen in der betroffenen Halle. Rund 100 Einsatzkräfte der Feuerwehr waren unter der Leitung von Ortsbrandmeister Mario Seppel im Einsatz. Der größere Einsatz wurde im Einsatzleitwagen (ELW 2) der Kreisfeuerwehr Osnabrück koordiniert. Den Einsatzabschnitt des Rettungsdienstes mit rund 30 Einsatzkräften verantworteten eine Leitende Notärztin sowie der Organisatorische Leiter Rettungsdienst des Landkreises Osnabrück mit Unterstützung durch die Führungs- und Kommunikationseinheit des DRK-Kreisverbandes Melle. Text und Fotos:
Feuerwehr Melle

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